BA
Constanze
Maier

Nicht nur die inneren Werte zählen, auch auf die äußeren kommt es an, denn das Auge kotzt gern mal mit. Aus dieser damals noch nicht zuordnungsfähigen Malaise heraus begann sie in der geistigen Verfassung von Schrödingers Katze ihr Studium in Konstanz, spielte währenddessen zu oft Cindy Sherman und wünschte sich tief im Inneren eigentlich nur, die Reinkarnation von Oskar Schlemmer zu sein. Sie ist zu oft genervt von der Engstirnigkeit der Menschheit – oder der Menschheit im Allgemeinen –, weshalb sie sich für ein Praktikum nach New York City verzog. Aufgrund sehr unfreundlich wirkender Präsidentschaftsanwärter setzte sie schließlich ihr Studium in Frankreich fort, was sich ideal mit ihrer Vorliebe für Käse verbinden ließ. Man merkte es nicht zuletzt am spannenden Rollkragenpullover, das Doppelkinn wurde reichlich mächtig! Die aber wohl wichtigste Lektion dort hieß »Avoir le cul entre deux chaises«, nämlich mit seinem Arsch zwischen zwei Stühlen – Kunst und Design – zu balancieren. Sehr befreiend, aber auf Dauer etwas anstrengend. Und weil sie als Plastikblumenbesitzerin Palmen stark verehrt, ihr Teint jedoch eine eher einseitige Beziehung zur Sonne hegt, beschloss sie, sich als Regen-Insulanerin nach London abzusetzen. Doch Großstädte sind unverschämt teuer, und in den Hinterkämmerchen von ihrer Freundin Annina und ihr selbst drängelte schon zu lange dieser Gedanke von einem gemeinsamen Magazin.

Abschlussarbeit
or – the magazine for contemporary talent
Art or culture, linguistic or visual, kitsch or normcore. Das or-Magazine ist ein halbjährlich erscheinendes, bilinguales Kunst- und Kulturmagazin. Im jährlichen Turnus behandelt es jeweils zwei gegensätzliche Themen und setzt diese inhaltlich und gestalterisch in Kontrast zueinander. Für die Abschlussarbeit wurden die ersten beiden Ausgaben des Magazins kuratiert und gestaltet, wobei Ausgabe #1 das Thema »Kitsch« behandelt und Ausgabe #2 sich mit dem Begriff »Normcore« auseinander setzt. or bietet Kreativen aus unterschiedlichen Bereichen eine Plattform für ihre Arbeiten und verfolgt einen interdisziplinären Austausch. Es richtet sich an junge Kreative mit einer avantgardistischen Grundhaltung und hat den Anspruch, dem Leser Einblick in andere Kreativbereiche zu bieten und ihm als Inspirationsquelle für das eigene Schaffen zu dienen. Neben Titelstories, Kommentaren, Portraits sowie Fotostrecken experimentiert die Rubrik »etcetera« fächerübergreifend mit dem Thema der jeweiligen Ausgabe. Nach dem Konzept der »stillen Post« werden hier kreative Köpfe aus verschiedenen Bereichen und Ländern eingeladen, basierend auf der Arbeit ihres Vorgängers etwas Neues entstehen zu lassen. Es entwickelt sich ein kreativer Kreislauf, in dem man, unwissend um das Ergebnis, sich selbst und andere inspirieren (lassen) soll. Um zu zeigen, dass da, wo man den Schluss vermutet, eigentlich gar keiner ist.